Entschleunigen in der Normandie im Norden Frankreichs

Im Nordwesten Frankreichs liegt die historische Provinz Normandie. Sie zählt zu den kulturhistorisch interessantesten und landschaftlich vielfältigsten Regionen des Landes. Sie beginnt knapp 100 km nördlich von Paris mit der Haute-Normandie, der sich im Westen die Basse-Normandie mit der Halbinsel Cotentin anschließt. Beide Verwaltungsregionen werden auch als Untere und Obere Normandie bezeichnet und sind wiederum in Departements untergliedert. Die Haute-Normandie besteht aus den Departements Eure und Seine-Maritime. Orne, Manche und Calvados bilden die Basse-Normandie. In den fünf Departements leben insgesamt 3,5 Millionen Einwohner. Vor allem in den Sommermonaten kommen zahlreiche Touristen vorwiegend aus England, Holland, Belgien und Deutschland hinzu, welche die Vorzüge diese ruhigen, naturnahen Region schätzen.

Die Normandie ist unter Kennern ein beliebtes Reiseziel, vor allem weil dieser Landstrich noch längst nicht so überlaufen ist wie der Süden des Landes. Die grüne, beschauliche Landschaft und die vielen kleinen Orte mit ihren Fachwerkhäusern, die üppig mit bunten Blumen geschmückt sind, prägen das Bild der Region. Die Seebädern beeindrucken mit gepflegten, breiten Sandstränden und großartiger Architektur aus der Zeit der Belle Époque. Die Normandie erfreut sich sowohl unter Badeurlaubern als auch Naturfans, die wandern, radeln oder reiten wollen, großer Beliebtheit. Nicht zuletzt lockt die Normandie mit einer Fülle an hochinteressanten Sehenswürdigkeiten.

Das Strandleben in der Normandie

Die Normandie hat viele, darunter großflächige Strände, an denen man selbst in der Hauptsaison noch ein relativ privates Badeplätzchen findet. Man kann zwischen Sand- und Kieselstränden wählen. Mehrere Hundert Kilometer der Strände sind geschützt und viele bewacht. Auch wenn die wilden Strände ebenfalls ihren Reiz haben, sollte man vorsichtig sein, denn das Meer ist hier durch die Gezeiten keineswegs ungefährlich. Wattwanderungen sollte man nur mit kompetenter Führung unternehmen.

Dieppe

Schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts entdeckten Napoleon und seine Gattin Marie-Louise den Badeort Dieppe für sich. Der verfügte damals schon über einen ausgezeichneten Ruf, welcher durch Hortense de Beauharnais und Marie Caroline, der Herzogin von Berry, später noch verfestigt wurde. Die Herzogin von Berry war selbst eine begeisterte Schwimmerin und gründete am Strand von Dieppe ein Badezentrum für Kranke. Nach und nach entwickelte sich Dieppe zu einem mondänen Seebad.

Dieppe liegt an der Alabasterküste und hat einen Kieselstrand, an dem es sich angenehm wandern lässt.

Deauville

Deauville ist das wahrscheinlich eleganteste Seebad der Normandie. Der feine, weiße Sandstrand von Deauville ist mit seinen Badehütten aus der Zeit der Belle Epoque und den vielen Sonnenschirmen etwas Besonderes. Er ist sehr sauber und lädt zu einem langen Strandspaziergang ein. Die Strandverkäufer und zentralen Restaurants haben teilweise deftige Preise, aber man findet auch einige Restaurants mit akzeptablen Preisniveau.

Trouville-sur-Mer

Das Seebad Trouville-sur-Mer entwickelte sich über viele Jahre von einem Fischerort zu einem ebenfalls mondänen Badeort. Am weitläufigen Strand kann man sich sonnen und den Wellen lauschen oder einen gemütlichen Spaziergang unternehmen. Wassersport ist hier wie überall an den normannischen Küsten möglich. Der Strand steht dem von Deauville in nichts nach.

Familienfreundliche Strände

Auf Familien ausgerichtete Strände warten auch in Houlgate, Cabourg, Courseulles-sur-Mer und vielen anderen Gemeinden auf Wasserraten und Sonnenanbeter. Die Strandclubs sorgen durch Animationen und Schwimmspielzeug bei kleinen und großen Besuchern für Begeisterung.

Unter einem besonderen Licht: die Normandie, Wiege des Impressionismus

Berühmte Künstler wie Monet, Renoir, Degas, Turner und Picasso schworen auf das ganz besondere Licht und die außergewöhnlichen Landschaften der Normandie. Ihre Eindrücke aus dem Alltag und der Umgebung inspirierten sie zu zahlreichen Kunstwerken. In der Normandie, speziell an der Côte Fleurie zwischen Honfleur und Trouville, wurde der Impressionismus aus der Taufe gehoben. Nicht nur Kunstinteressierte sollten das Wohnhaus und den zauberhafte Garten von Monet in Giverny besuchen. Man braucht dort nicht viel Fantasie, um zu verstehen, was Monet an der Normandie so faszinierte.

Das sollte man in der Normandie unbedingt sehen

Kreidefelsen von Étretat

Bei Étretat an der Alabasterküste stehen die bizarren weißen Kreidefelsen, deren Anblick für immer unvergesslich bleibt. Schon Monet, Matisse und Degas fühlten sich davon zu Kunstwerken inspiriert.

Landungsstrände der Alliierten, Schauplätze der Geschichte

Am 6. Juni 1944 landeten die Alliierten an den Stränden der Normandie und schrieben Geschichte. An diesem Tag begann eine gigantische Militäroperation, die letztendlich den weiteren Verlauf des 2. Weltkrieges entscheidend beeinflusste. Etliche Museen, Gedenkstätten und die beeindruckenden Originalschauplätze des D-Day kann man in den Départements La Manche, Calvados und Orne besichtigen.

Mont-Saint-Michel

Im Wattenmeer, an der Grenze zwischen Normandie und Bretagne, liegt der gewaltige Klosterberg Mont-Saint-Michel. Die Abtei gehört zu den beeindruckendsten Bauten, die je von Menschen geschaffen wurden und ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Frankreichs. Die Abtei und die ganze Bucht gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Noch mehr Sehenswertes in der Normandie

Der weltberühmte Teppich von Bayeux, die Burg Piron, der Jardin des Plantes von Coutances, und das Meeresmuseum in Cherbourg (La Cité de la Mer) sind nur einige der vielen Sehenswürdigkeiten in der Normandie, die ebenfalls einen Besuch lohnen.

Interessante Städte in der Normandie

Rouen

Die steilen Kreidefelsen an der Küste von Seine-Maritime und die alten Kastanienbäume machen Seine-Maritime einzigartig. Die Stadt Rouen, auch Stadt der hundert Kirchtürme genannt, liegt in diesem Departement.

Bayeux

Viele Touristen kommen in die Stadt, um den berühmten Wandteppich von Bayeux zu sehen. Er stellt  die Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer dar.

Caen

Das Zentrum der Hafenstadt Caen bildet das Château de Caen. Die Burg wurde etwa 1060 von Wilhelm dem Eroberer errichtet. In ihrer Umgebung liegen die romanischen Klosterkirchen Saint-Étienne und Sainte-Trinité. Interessant ist auch Multimedia-Museum Le Mémorial über den Zweiten Weltkrieg und der Invasion der Normandie von 1944 .

Calvados

Die Hauptstadt der Unteren Normandie ist Calvados. Benannt wurde das französische Departement nach den Plateau du Calvados Riffs und zeichnet sich durch kilometerlange Sandstrände aus. Die malerischen Dörfer und Fischerorte in beeindruckender Natur, mit hügeligen Wiesen, zahllosen Apfelbäumen und Weidelandschaften, machen Calvados zu einem beliebten Urlaubsziel. Der berühmte Branntwein Calvados wird in dieser Region hergestellt, aber auch Cidre und normannischer Camembert haben hier ihren Ursprung.

Eure

Eure liegt in der Region Haute-Normandie, die Stadt wurde nach dem gleichnamigen Fluss benannt. In dieser Region geht es eher ruhig und beschaulich zu. Wer im Departement Eure seinen Urlaub verbringen möchte kann die vielen Schlösser, Abteien, sowie eine Vielzahl an Parks und Gärten besichtigen.

Touren und Wanderungen in der Normandie

Durch das wechselhafte Wetter in der Normandie empfiehlt sich regenfeste Kleidung für jede Wanderung, Radtour oder Ausritt. Auch eine gute Wanderkarte sollte man mitnehmen, denn das Gelände ist nicht immer einfach und übersichtlich.

Rund um Étretat gibt es gleich mehrere Wanderstrecken, die es ermöglichen, eine der schönsten und spektakulärsten Landschaften Frankreichs zu entdecken. Günstig ist auch, dass viele davon gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind.

Im Departement La Manche im Westen der Normandie gibt es über 7000 km Wege für Wanderer, Radler und Reiter. Halten Sie nach „Voies Verte“ – den Wanderwegen – Ausschau. Wunderschöne Ausblicke eröffnen sich zum Beispiel bei Touren vom Regional-Naturpark Cotentin, im Bessin-Marschland und an der Bucht des berühmten Mont-Saint-Michel. Die schöne Küstenlandschaft kann man auch hoch zu Ross erkunden. Dieser Teil der Normandie ist für seine Pferdezucht bekannt. So kann man einfach begleitete Reitausflüge am Strand oder im Landesinneren buchen.

Am Omaha Beach gibt es ebenfalls schöne Strecken, so zum Beispiel die ungefähr 8 Kilometer lange Runde von Colleville-sur-Mer. Ein Abschnitt führt direkt am Meer entlang. Das es viele Bustouren zum Omaha Beach gibt, dürfte einer umweltfreundlichen Anreise nichts im -weg stehen.

In den Departements Orne und Manche finden sich immer wieder beeindruckende Steinblöcke als Megalith oder aufgerichtet als Monolith, auf die man auch während einer Wanderung oder Radtour treffen kann.

Diese Beispiele stehen für unzählige gut ausgebaute Wander- und Radstrecken in der Normandie, an denen es viel zu entdecken gibt.

Unterkünfte in der Normandie

Ferienhäuser und Ferienwohnungen in der Normandie finden Sie auf ferienhaus-normandie.biz. Diese Seite beschäftigt sich speziell mit der Normandie als Urlaubsregion, den bekanntesten Sehenswürdigkeiten und regionalen Besonderheiten. Dort finden Sie auch Unterkünfte für Urlaub auf dem Bauernhof, wo Sie sich mit regionalen Produkten versorgen können.

Klima, Wetter und beste Reisezeit in der Normandie

Das Klima ist insgesamt mild und die Sommer warm, aber ohne extreme Luftfeuchtigkeit. Stets weht eine erfrischende Brise vom Meer über das Land. Auf wechselhaftes Wetter sollte man stets eingerichtet sein. Die Winter sind stürmischer als die warmen Jahreszeiten, aber Schnee fällt eher selten. Die touristischen Aktivitäten konzentrieren sich vorwiegend auf Frühjahr bis Herbst.

Frühling

Die meisten Unterkünfte, Restaurants und touristischen Angebote öffnen spätestens im März wieder ihre Pforten. Die erste größere Urlauberwelle kommt Ende April, sobald die rund 10 Millionen Apfelbäume in voller Blütenpracht stehen und mit ihrem frischen Frühlingsduft betören. Viele Normandie-Urlauber reisen extra während der Apfelblüte an, um das beeindruckende Schauspiel selbst zu erleben. Bei durchschnittlichen Temperaturen zwischen 7 und 15 °C im April und 11 bis 19 °C im Mai kommt die Vegetation etwas früher aus dem Winterschlaf als in deutschen Breiten.

Auch der Juni ist mit Durchschnittstemperaturen zwischen 13 bis 22 °C im Juni ideal für Besichtigungen der zahlreichen Sehenswürdigkeiten, Wanderungen, Kletter- und Radtouren.

Sommer

Das mittlere Temperaturminimum liegt im Juli und August bei etwa 15,6 °C, das mittlere Temperaturmaximum bei 24,5°C. Natürlich gibt es in der Normandie gelegentlich hochsommerliche Tage mit Temperaturen bis 30°C.

In den Sommermonaten strömen die Badeurlauber in die Normandie. Je nach Wetterlage kann man dann eine Wassertemperatur zwischen 16 und 19°C erwarten.

Herbst

Der Herbst ist wie der Frühling ideal für sportliche Aktivitäten und Entdeckungstouren. Außerdem werden im Herbst viele Apfelfeste sowie Herings- und Muschelfeste gefeiert.

Umweltgerechte Anreise in die Normandie

Die Anreise in die Normandie ist per Bahn, Bus, PKW oder Flug möglich. Flüge lassen wir aus umweltbedingten Gründen bewusst außer Acht. Stattdessen empfehlen die Anreise per Zug. Ab Berlin Hauptbahnhof über Köln, Haussmann St Lazare, Paris St Lazare ist man nach ca. 11 Stunden in Rouen und kann unterwegs in Ruhe die schönen Landschaft genießen. Mit dem Nachtzug, ebenfalls ab Berlin Hauptbahnhof, dauert die Anreise über Gare De L’est, Paris St Lazare bis Rouen 15 Stunden, was durch die Übernachtung aber nicht ins Gewicht fällt. Der Nachtzug ist aktuell deutlich preiswerter.

Fazit:

Die Normandie konnte sich trotz ihrer Beliebtheit bislang ihren ursprünglichen Charme bewahren. Wer sich dafür entscheidet, erlebt einen familiären Urlaub im Ferienhaus oder in einem kleinen Familienhotel nahe an der Natur. Klassische „Bettenburgen“ sucht man in der Normandie zum Glück vergeblich. Da die wichtigsten Sehenswürdigkeiten und etliche Urlaubsorte mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind, ist die Normandie auch in der Hinsicht eine klare Empfehlung.